FDP-Fraktion im Hessischen Landtag


„Hessen in Sachen Kultur nur mittelmäßig.“

Kulturindikatoren


Hans-Joachim Otto
Zur Studie „Kulturindikatoren auf einen Blick – Ein Ländervergleich“ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder erklären der Vorsitzende des FDP-Bezirksverbandes Rhein-Main und Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien, Hans-Joachim Otto, und die kulturpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag, Nicola Beer:

„Es ist erfreulich, dass die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder nach 14 Jahren endlich wieder eine Kulturstatistik für ganz Deutschland vorgelegt haben. Im Vergleich zu dem alle zwei Jahre erscheinenden monetär orientierten Kulturfinanzbericht ist die jetzt vorliegende Studie doch wesentlich aussagekräftiger. Die neue wurde von Kulturschaffenden und der Politik sehnsüchtig erwartet. Es ist absurd, mit den Daten von 1994 arbeiten zu müssen. Es bleibt zu wünschen, dass die Resonanz auf diesen Bericht positiv ist und sich die Verantwortlichen dazu entschließen, weitere Untersuchungen zeitnah folgen zu lassen.

 Die vorliegende Studie gibt einen guten Einblick in das vielseitige Kulturspektrum und bildet interessante Indikatoren, um dessen Nutzung zu beleuchten. Daten über die Theater-, Museums- und Kinobesucher je Einwohner oder den Anteil der Schüler in öffentlichen Musikschulen an der Bevölkerung gleichen Alters sind äußerst interessant für die kulturpolitische Arbeit. Hier liegt ein guter Einstieg in die statistische Berichterstattung über Kultur in Deutschland vor. 

Die Untersuchung entspricht aber noch nicht dem, was die Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ des Deutschen Bundestages forderte. Die Bundesregierung und die Länder sind – entsprechend den Handlungsempfehlungen der Enquete-Kommission – aufgefordert, eine bundeseinheitliche Kulturstatistik zu entwickeln, die auch auf europäischer Ebene zu vergleichbaren Daten führt. So vielfältig wie die Kulturlandschaft in Deutschland ist, so vielfältig ist auch die Kulturstatistik. Eine Fülle an amtlichen und nicht-amtlichen Statistiken mit unterschiedlichen Erhebungsmethoden mussten auch für diese Studie zur Hand genommen werden.

 Insgesamt zeigt die Studie die anhaltende Beliebtheit klassischer Kultureinrichtungen. Interessant ist auch, dass die Deutschen, einschließlich ihrer Besucher, dreimal mehr ins Museum als ins Theater gehen. Doch leider nicht in Hessen. Hessen bildet bei den Museumsbesuchern mit dem Saarland das Schlusslicht. Auch beim Theaterbesuch sieht es nicht besser aus, auch hier liegt Hessen lediglich im unteren Mittelfeld.

 Hier zeigt sich das Hauptproblem der Studie, die Flächenstaaten kommen im Bericht schlechter weg als die Stadtstaaten wie Berlin oder Hamburg. Der Kulturkonsum in Frankfurt am Main sieht wesentlich besser aus, als der in Hessen insgesamt gesehen: Während im Landesdurchschnitt pro 100 Einwohner nur 80 Personen ein Museum besuchten, waren es in Frankfurt am Main 260 Besucher. Nur Berlin kann diesen Wert mit 350 überbieten. Leider liegen durch den Bericht aber keine Daten für einzelne Städte vor.

Spitzenreiter bei den Kulturausgaben ist Sachsen mit 3,71 Prozent des Gesamthaushaltes bezogen auf die Grundmittel, Hessen dagegen gab, bezogen auf die Grundmittel des Gesamthaushaltes, lediglich 1,98 Prozent aus. Damit liegt Hessen nur im Mittelfeld der Flächenstaaten.

 Besonders kritisch sind die Daten zu der medialen Kulturvermittlung zu bewerten: Hier bildet der Hessische Rundfunk im Fernsehen mit lediglich 5,5 Prozent Anteil an kulturrelevanten Sendezeiten zu den Themen „Kultur und Wissenschaft“ das traurige Schlusslicht. Die hessische Regierung muss dafür sorgen, dass der hessische Rundfunk seinem Grundversorgungsauftrag nachkommt und die Rezipienten mit Bildung, Unterhaltung, Information und – vor allem – Kultur versorgt.“