Die im Rahmen der Fachtagung vorgestellte Studie des Forschungsverbundes „SED-Staat“ der Freien Universität Berlin, die erhebliche Wissensdefizite bei Schülern in Ost und West über das DDR-Regime aufgedeckt hat, nannte Hahn ein „Alarmsignal für unsere Gesellschaft“. „Wenn Schüler den Unterschied zwischen dem Leben in einer Diktatur und in einer Demokratie nicht eindeutig benennen und die DDR nicht als Diktatur einordnen können, ist der Geist der Demokratie und der Freiheit in unserem Land gefährdet.“ Ein solch verzerrtes Bild von der DDR, gerade bei der jungen Generation, sei eine Gefahr für unseren Rechtsstaat.
Greilich forderte, es müsse eine intensivere Auseinandersetzung in Schule und Gesellschaft mit der SED-Diktatur geben, um über das Wirken dieser Unrechtspartei aufzuklären. „Schließlich hat eine Partei in unserer heutigen Parteienlandschaft ihre Wurzeln zum Teil in der SED. Die Gesellschaft darf nicht auf dem linken Auge blind sein.“
Die heutige Fachtagung habe die Notwendigkeit bekräftigt, das DDR-Unrechtsregime intensiv im Schulunterricht zu behandeln. „Da die Studie auch aufgezeigt hat, dass Schüler selbst der Meinung sind, im Unterricht zu wenig über das Thema DDR zu erfahren, muss sich in der Schule etwas ändern. Die Lehrpläne und die Unterrichtsgestaltung an den Schulen müssen überprüft werden.“
Die Referenten der Tagung hätten eindrucksvoll dargestellt, welche Unterrichtsmethoden dazu beitragen könnten, um Schülern die jüngere deutsche Geschichte besser näher zu bringen. „Der Geschichtsunterricht muss so anschaulich wie möglich gestaltet werden, damit bei den Schülern etwas hängen bleibt. Ein Zeitzeuge, der aus seinem Leben in der DDR erzählt, kann Schülern mehr über die Vergangenheit vermitteln als reine Daten und Fakten aus dem Lehrbuch“, zeigte sich Greilich überzeugt. Auch durch den Einsatz neuer Medien, wie ein Internetfachportal für Lehrkräfte, das vorgestellt wurde, würden wichtige Anregungen für die Gestaltung des Geschichtsunterrichts gegeben. Deswegen zeigten sich die FDP-Politiker erfreut darüber, dass die Veranstaltung auch bei Lehrern auf reges Interesse gestoßen ist.
Die Tagung habe auch bestätigt, wie wichtig die unmittelbare Erfahrung durch den Besuch von Orten der SED-Diktatur sei. „Es ist unerlässlich, dass Schulklassen etwa bei Klassenfahrten aktiv mit der ehemaligen DDR konfrontiert werden, indem sie Orte der SED-Diktatur besuchen – zum Beispiel das Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen oder das Grenzmuseum Schiffersgrund. Das sind heutzutage wichtige Bildungsorte.“
Für Dorothea Henzler war abschließend jedoch auch klar, dass Schule mit der Aufgabe der notwendigen Wissensvermittlung über die jüngere deutsche Geschichte nicht allein gelassen werden dürfe. „Schule kann nicht alles leisten. Die Aufklärung über die deutsche Vergangenheit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Deswegen sind auch Eltern und Großeltern gefordert, ihren Beitrag zur Aufklärung ihrer Kinder und Enkel zu leisten.“